Ausstellungskatalog
»Beton am Berg«
HGEsch

 

»Der Blick des Außenseiters ist oft der schärfste: Gänzlich uneingeschränkt von Freundschaften, Verpflichtungen und internalisierten (Seh-) Gewohnheiten haben Außenstehende oft den klarsten Blick. Vertrautem gegenüber wahren Journalisten ebenso wie Fotografen Distanz. HGEschs kühler, unsentimentaler fotografischer Blick liefert Fernsicht(en), auch im übertragenen Sinne, die keine Idealisierung einer etwaigen Idylle erlaubt, zugleich aber auch ohne Zynismus auf die Welt schaut. Im Falle von Liechtenstein fällt der Blick in HGEschs Momentaufnahmen auf eine Bauregion, die ihre Stärken aus dem Bezug zum Ort bezieht, zugleich aber auch die Wachstumsschmerzen einer schnell zu Wohlstand gekommenen Gesellschaft zeigt, der es bisweilen an städtebaulicher Tradition mangelt. Überall in Liechtenstein „platzt“ der neue Wohlstand in Form von Gebäuden hervor und führt stellenweise zu einer wüsten Collage an Stilen, Farben und Bauweisen. Nur in einem alpinen Land wie Liechtenstein kann man Siedlungen und Gebäuden „auf’s Dach steigen“ und Überblick gewinnen. Von oben betrachtet erscheint das Fürstentum als „Insel der Seligen“ in einem zerfallenden Europa und gleicht angesichts des größer werdenden „Imperiums“ der Europäischen Union Asterix‘ „kleinem gallischen Dorf“.« Aus Ulf Meyers Text »Der Fern-seher«, Seite 94|95

 

 

 

 

Die Proportionen des querformatigen Buchs leiten sich eins zu eins aus den Proportionen der Fotografien von HGEsch ab. Das große Buchformat gibt der eindrucksvollen Landschafts-, Stadtund Architekturfotografie Raum zur Entfaltung. Der große tiefgeprägte Titel »Beton am Berg« wirkt in seiner versalen Schreibweise monumental, auf Grund der gestürzten Anordnung zugleich aber auch architektonisch. Die zarte Farbgebung – Ton in Ton mit der Betongrauen Fläche verschmelzend – erzeugt zudem eine dezente Wirkung. Diese Vielschichtigkeit der Erscheinung lässt bereits vor dem Aufschlagen des Buchs die enorme Fülle der fotografischen Auseinandersetzung von HGEsch mit Lichtenstein erahnen. Das Layout präsentiert die Bilder und Texte in ruhiger, ausgewogener Form und nimmt sich gegenüber dem Werk des Künstlers komplett zurück.